Herzlich willkommen bei der Feuerwehr Neusatz-Rotensol Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr
Herzlich willkommen bei der Feuerwehr Neusatz-Rotensol              Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr

Orkan Lothar am 26.12.1999

Das Sturmtief Lothar hat am 2. Weinachtsfeiertag leider auch vor uns nicht Halt gemacht und zerstörte größere Flächen im Wald. Im Ort blieben bis auf ein Dach die Häuser einigermaßen in Ordnung es mußten nur eine Menge Ziegel ersetzt werden. Durch die umgestürzten Bäume waren wir bis ca. 20:00 Uhr von der Außenwelt abgeschnitten da sämtliche Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert waren. Der Strom fiel morgens gegen 11:00 Uhr aus weil Bäume die Überlandleitungen beschädigten. Die Feuerwehr war insgesamt 3 Tage im Dauereinsatz um die Staßen zu räumen, eine Notunterkunft einzurichten und den Bürgern beim Fällen der Bäume zu helfen...

 

Vielen Dank an Simon Dürr für die Bilder und Berichte

 

 

Bericht aus der Chronik der Feuerwehr Neusatz:

“LOTHAR” ein Name prägt sich ein...
Weihnachten 1999, 2. Weihnachtsfeiertag 11.00 Uhr, die Welt scheint noch in Ordnung.
11.15 Uhr der Strom fällt aus, kurze Zeit später wurden wir über den Funkmelder alarmiert; was für
ein Weihnachtsfest.
Beim  Eintreffen  der  Kameraden  am  Gerätehaus  lässt  sich  schon  erahnen,  wo’s  „brennt“.  Ein
stürmischer Wind bläst einem um die Nase. Der erste Weg führte uns zur Neusatzer Pfütz, wo wir
schon bei der Anfahrt die umgeknickten Bäume sahen, die unter anderem auch für den Stromausfall
verantwortlich waren (ein Baum hat die Hochspannungsleitung beschädigt). Aufgrund des starken
Sturmes  konnten  wir  jedoch  nichts  unternehmen,  deshalb  fuhren  wir  wieder  ins  Gerätehaus.  Zur Untätigkeit verurteilt mobilisierten wir die Ortschaftsräte, die sich auch sofort bereit erklärt haben zuhelfen. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, ob wir bis zum Abend wieder mit Strom versorgt werden konnten, oder ob es eine „stromlose“, und somit auch eine kalte Nacht geben würde. Das Schlimmste angenommen, haben wir unsere Bronnenwiesenhalle zur Notfallstation erklärt. Nun galt es unsere Möglichkeiten abzuwägen und das Notwendige zu organisieren: Wir mussten Möglichkeiten  schaffen,  die  Halle  mit  Strom  und  Heizung  zu  versorgen.  An  dieser  Stelle sei  denHerren Fritz  Pfeiffer und Hermann Schneider (Ortsvorsteher) aus Rotensol sehr herzlich gedankt, die  uns  selbstlos  zwei  ihrer  Notstromaggregate  für  diesen  Notfall  zur  Verfügung  gestellt  haben.Somit  hatten  wir  die  Möglichkeit  Strom  für  die  Halle  zu  erzeugen  und  sie  zu  beleuchten.  Um  zu heizen  wurden  Gasgebläse  und  Gasstrahler  organisiert.  Leider  hatten  wir  keine  Möglichkeit(Megaphon  oder  Einsatzwagen  mit  Lautsprecher)  die  Einwohner  zu  informieren,  dass  die Bronnenwiesenhalle für den Notfall hergerichtet worden war. Hier mussten wir uns darauf verlassen, dass  es  sich  herumsprechen  würde.  Gegen  16.00  Uhr  hatten  wir  die  Freigabe  von  der  Leitstelle Calw mit den Aufräumarbeiten im Wald zu beginnen, und in erster Linie die Zufahrtsstraßen von und nach  Neusatz  wieder  befahrbar  zu  machen.  Diese  Arbeiten  gestalteten  sich  von  Meter  zu  Meterschwieriger,  da  die  Bäume,  je  weiter  wir  in  den  Wald  vordrangen,  immer  mehr  und  auch  immer größer  wurden.  Da  wir  in  der  Freiwilligen  Feuerwehr  Neusatz  nur  eine  Motorsäge  zur  Verfügung haben,  waren  wir  um  jeden  Helfer  dankbar,  der  sich  und  seine  Motorsäge  zum  Einsatz  bringen konnte. Somit hatten wir bis zu 12 Motorsägen im Einsatz, und konnten uns zur gleichen Zeit mit einer Gruppe in Richtung Dobel und mit einer zweiten Gruppe in Richtung Schwann vorarbeiten.

 

Im„Mönchswald“  wurden  wir  durch  Kamerad  Christian  Koch  mit  seinem  Traktor  unterstützt  um  die abgesägten Bäume zur Seite zu ziehen, die Gruppe in Richtung Dobel wurde durch einen Radlader von  der  Fa.  Erol  unterstützt.  So  kamen  wir  langsam  aber  stetig  voran.  Da  es  mit  zunehmender Dunkelheit  jedoch  immer  schwieriger  und  vor  allem  auch  sehr  viel  gefährlicher  wurde  mit  den Motorsägen  zu  hantieren,  beschlossen  wir  gegen  18.30  Uhr,  als  auch  noch  eine  erneute Sturmwarnung ausgegeben wurde, den Einsatz abzubrechen. Als wir gerade abrücken wollten, kam über Funk die Meldung, dass schweres Räumgerät anfahren würde. Da in Richtung Schwann noch einige  Personen  in  ihren  Fahrzeugen  eingeschlossen  waren,  rückte  die  Menschenrettung  in  den Vordergrund,  die  Sturmwarnung  wurde  zur  Nebensache.  Und  das  schwere  Räumgerät  kam, unterstützt  vom  Neusatzer  Feuerwehrfahrzeug,  dem  auf  die  Pumpenhalterung  ein  Stromaggregat und auf dem  Dach ein Scheinwerfer mit Seilen festgebunden wurde (Not macht erfinderisch). Unter Einsatz  ihrer  Leben,  kämpften  sich  die  Feuerwehrkameraden  mit  den  Helfern  durch  die  schier unüberwindliche Baumwüste. Bis gegen 22.00 Uhr wurde Baum um Baum aus dem Weg geräumt, bis wir an eine Stelle kamen, wo noch einige Tannen kurz vor dem Umfallen standen. Da sich in der Zwischenzeit die Rettungsdienste mit ca. 40 Frauen und Männern zu Fuß durch den Wald schlugen um die eingeschlossenen Personen zu suchen und zu retten, wurde beschlossen, den Einsatz der Feuerwehr für diese Nacht zu beenden und am nächsten Morgen mit frischen Kräften wieder ans Werk  zu  gehen. 

 

Nachdem  wir  wieder  im  Gerätehaus  waren,  musste  das  Einsatzfahrzeug  wieder
hergerichtet werden, Pumpe und Löschgeräte mussten wieder ins Fahrzeug. Wir hatten Bedenken,
da  in  jedem  Haus  mit  Kerzen  und  Öfen  hantiert  wurde,  dass  in  der  kommenden  Nacht  auch  ein Wohnungsbrand hätte ausbrechen können, was zum guten Glück nicht geschah. Gegen 23.00 Uhr wurde der Einsatz beendet
Am  nächsten  Morgen  um  8.00  Uhr  trafen  wir  uns  wieder  um  weitere  Bäume  aus  dem  Weg  zu räumen,  und  auch  die  Straßen  in  Neusatz  „frei“  zu  bekommen.  Diesmal  wurden  wir  von  Roland Dressler  mit  seinem  Traktor  mit  Frontlader  unterstützt,  der  die  Bäume  aus  dem  Weg  räumte. Teilweise  unterstützten  wir  auch  Einwohner  bei  der  Wiederherstellung  ihrer  Hausdächer,  kleinere Schäden konnten behoben werden. Dass es der Feuerwehr in dieser Lage jedoch nicht möglich ist, ganze Dächer zu decken, sollte jeder auch noch so erboste Bürger einsehen. Gegen Mittag fuhr die Polizei mit ihrem Einsatzwagen durch Neusatz und Rotensol und teilte den Einwohnern mit, dass es in der Bronnenwiesenhalle in Neusatz Heizung und Verpflegung gab. Den Helfern, die sich um die Verpflegung an diesen beiden Tagen gekümmert haben, sei an dieser Stelle ebenfalls sehr herzlich gedankt.  Gegen  Abend  war  es  der  ENBW  (Energieversorgung  Baden  Württemberg)  dann  doch möglich,  ganz  Neusatz  wieder  mit  Strom  zu  versorgen.  Um  die  zerstörten  Leitungen  an  der Neusatzer Pfütz jedoch wieder herstellen zu können, mussten im Bereich des Turmgeländes noch ca  10  Bäume,  die  den  Sturm heil  überstanden  hatten,  gefällt  werden.  Da  der  Feuerwehr  diese Arbeiten zu gefährlich waren, wurde der Forst mit dieser Aufgabe betraut. Herr Anser vom Forstamt sagte zu, dass die Bäume am Dienstagmorgen gefällt würden. Gegen 21.00 Uhr wurde der Einsatz an diesem Montag beendet.


Am Dienstagmorgen trauten wir unseren Augen nicht; 20 cm Neuschnee war in der Nacht gefallen.
Gott sei Dank konnten am Vortag die meisten Dächer abgedichtet werden. Um 8.00 Uhr trafen wir
uns wieder, um die Bäume, die an der „Pfütz“ gefällt werden mussten, aufzuräumen. An der Calwer
Straße musste ebenfalls noch ein Baum gefällt werden, der durch den Schnee in Schieflage geraten
war. Hier wurden wir von der Fa. Ochner aus Dennach, die gerade mit ihrem Schneepflug im Einsatz war, unterstützt. Die Tanne wurde mit der Seilwinde des Schneepfluges in den Garten des
Anwesens  gezogen.  Nun  wurden  die  letzten  Aufräumarbeiten  in  Angriff  genommen:  die
Bronnenwiesenhalle  musste  wieder  aufgeräumt  werden,  die  Kettensägen  wurden  von  der  Fa.
Bachteler in Dobel überprüft und wieder instand gesetzt, die Stromaggregate wurden gereinigt und
wie auch die Gasgeräte und Gasflaschen deren Besitzern wieder zurückgebracht, und nicht zuletzt
musste natürlich auch unser Einsatzfahrzeug wieder hergerichtet werden.
Diese  drei  Tage,  die  wohl  keiner  von  uns  allen  je  vergessen  wird,  haben  wieder  einmal  gezeigt, dass  es  doch  noch  Menschen  gibt,  die  freiwillig  und  ehrenamtlich  für  andere  da  sind,  und  dabei sogar ihr Leben auf ’s Spiel setzen, um der Allgemeinheit  zu dienen. Im Einsatz  waren 16 aktive Feuerwehrkameraden, 13 Bürger, die uns im Einsatz unterstützt haben sowie 13 Bürgerinnen und Bürger,  die  für  die  Verpflegung  sorgten.  In  diesem  Sinne  danken  wir  all  denen  sehr  herzlich,  die mitgeholfen haben, dass wir diese Katastrophe doch einigermaßen gut überstanden haben.

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